Eine von uns: Unterwegs am Dach der Welt

Eine von uns: Unterwegs am Dach der Welt

Unsere Kollegin Hanna Brandau ist gerade dabei, sich die Welt etwas genauer und sehr ausgiebig anzuschauen. Hier ihre Grüße aus der Ferne…

Nepal und Kuba sind zwei Länder, die auf den ersten Blick kaum gegensätzlicher sein könnten: Während Kuba mit knapp 6000 km Küste und ganzjährlichen Badetemperaturen aufwarten kann, liegt fast die Hälfte der Fläche Nepals über 3000 m; viele Orte sind somit nur wenige Monate im Jahr frei von Schnee.

Während sich in Kuba diejenigen Menschen, die Religion praktizieren, hauptsächlich zum Katholizismus bekennen, sind der Buddhismus und der Hinduismus die vorherrschenden Religionen in Nepal. In Nepal gilt es als unhöflich, seine Knöchel zu zeigen, weshalb viele Frauen und Mädchen Saris oder Tuniken mit langen Hosen darunter tragen; auch unter den einheimischen Männern tragen nur wenige kurze Hosen.

In Kuba gilt in Sachen Kleiderwahl eher dass Motto: Je knapper und enger desto besser! Auffällig ist zudem, dass es in Kuba sehr viele Schulen und einen sehr guten Zugang zu ärztlicher Versorgung selbst in ländlichen Gegenden gibt, wovon Nepal nur träumen kann, denn auf Grund der Abgeschiedenheit vieler vornehmlich bergiger Gebiete, fehlt vielen Nepalesen gänzlich der Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung.

Während Nepal seine Besucher mit unzähligen geschmacksintensiven Curries empfängt, wird der Besucher von der kubanischen einfachen und gewürzarmen Küche, die unter anderem auf den Mangel an Lebensmitteln zurückzuführen ist, eher enttäuscht sein. Die Kubaner essen mit Besteck während die Nepalesen mit den Fingern essen, doch die Nahrungsgrundlage in beiden Ländern ist Reis.

Und schaut man genauer hin, gibt es noch mehr  Gemeinsamkeiten: Die Nepali wie auch die Kubaner lieben laute Musik, die einen aus Bollywood, die anderen aus Lateinamerika. Die kubanische wie auch die nepalesische Jugend hängt in Scharen vor den Handys; Selfies zum Teilen auf Instagram sind dort nicht weniger populär als hier bei uns.

In beiden Ländern regnet es während unserer Sommermonate und beide Länder sind gekennzeichnet von einer hohen kulturellen und ethnischen Vielfalt. Kubas sowie Nepals Natur -übrigens gibt es auch in Nepal eine tropische Region- bieten wunderbare Möglichkeiten der sportlichen Betätigung, weswegen mein Mann und ich während der ersten Hälfte unseres Urlaubsjahres in Nepal 520 km durch den Himalaya gelaufen und auf Kuba 1600 km mit dem Rad gefahren sind.

Egal ob in 5000m Höhe oder auf Meeresniveau, egal ob begleitet vom Geräusch wedelnder Palmen oder buddhistischer Gebetsfahnen, egal ob mit Rucksack oder Radtaschen, egal ob im Kloster oder im Hotel, die Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind, traten uns stets offen und hilfsbereit gegenüber.

Die Kubaner sowie die Nepalesen sind Improvisationskünstler, die uns sehr gastfreundlich und mit offenen Armen empfangen haben und uns an ihrem Leben und ihrer Kultur haben teilhaben lassen. Trotz hoher Armut strahlten die Menschen in beiden Ländern eine unübersehbare Lebensfreude und Ruhe aus, die uns in ihren Bann gezogen hat.

Schon jetzt freuen wir uns, ein weiteres Mal zu unserer nepalesischen Familie zurückzukehren, Gebetsmühlen zu drehen, Chai zu trinken, meditierenden Mönchen zu lauschen, über die Größe der Eisriesen zu staunen und in Kuba im kristallklaren Wasser zu schnorcheln, Spanisch zu sprechen, den Menschen beim Tanzen zuzusehen und wer weiß, vielleicht sogar eines Tages hier bei uns die Gastfreundschaft zurückgeben zu können, die wir selbst erfahren haben. Derweil schicke ich euch/ Ihnen viele Grüße aus der Ferne.