Bei uns kommt das Geld aus dem Kopierer!? Leider nein – April, April…

Bei uns kommt das Geld aus dem Kopierer!? Leider nein – April, April…

Die meisten hatten es ja gleich gemerkt – aber die Idee war super:

Lange Schlangen am Kopierer sind in Schulen etwas ganz Normales. Der Grund bei uns ab heute allerdings besonders.

Ab heute spucken unsere Kopierer nicht nur Mathe- oder Englischarbeitsblätter aus, sondern in einem einzigartigen EU-Pilotprojekt auch frische Geldscheine. Und so herrschte heute so etwas wie Goldgräberstimmung in dem sonst so tristen und stickigen Kopierraum neben dem Lehrerzimmer.

Wo sonst nur genervte Gesichter von Lehrern zu sehen sind, die darauf hoffen, möglichst schnell ohne einen Papierstau fertig zu werden, konnten man ein Lachen und jede Menge Freude ausmachen, als die Kolleginnen und Kollegen das neue Modul ihres Kopierers ausprobierten.

Über Nacht wurden die Kopierer nun leicht verspätet mit einer neuen Software ausgestattet, die eigentlich schon mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU am 29.03. die neue Funktion ermöglichen sollte. Durch die Wirren um die Brexit-Abstimmungen im britischen Parlament wurde der Starttermin letztendlich auf den 01. April gelegt. Die entsprechenden Geräte sind anhand des Schildes “EC-Geldkopierer” für jeden gut zu erkennen.

Dabei sorgt ein technischer Kniff dafür, dass zukünftig der Weg zum Bankautomaten überflüssig wird. So stellt der Kopierchip jedes Kollegen eine Verbindung zum jeweiligen Gehaltskonto her und vermerkt dort die Auszahlung, sodass bei der nächsten Gehaltsüberweisung der ausgedruckte Betrag gleich abgezogen werden kann – das ist ein Fortschritt.

Anne-Meike Bökers, Stammgruppenlehrerin im 8. Jahrgang, bringt die gute Laune auf den Punkt: „Gerade wenn man Kinder hat, kann es auf dem Heimweg zeitlich manchmal eng werden. Und so kann ich mir den Extraweg zur Bank sparen – ein klasse Angebot, dass ich gerne und oft nutzen werde!“

Einen weiteren Vorteil stellt Sek-I-Leiterin Annika Greif heraus: „Wir als IGS führen häufig Schüleraustauschfahrten durch, aufgrund der Fortschritte in der digitalen Drucktechnik können wir natürlich auch ausländische Währungen jederzeit drucken – also auch an Wochenenden oder sogar nachts. Ich als Schulleitungsmitglied hatte durch eine Betaversion bereits seit dem Januar Zugriff auf dieses Modul. Das hat uns bei der letzten Englandfahrt im Februar große Unannehmlichkeiten erspart.“

Technische Beratung gibt es durch den Schulassistenten, der selbst auch einen gelddruckfähigen Kopierer in seinem Büro hat und ebenfalls schon seit Januar testen durfte. Er weiß zu beruhigen: „Ich werde das Kollegium beraten. Viele fragen sich natürlich, ob das Ganze sicher ist und was z.B. passiert, wenn unser Kopierer kurz vor Urlaubsantritt das Konto sperrt, oder so. Klar gibt es in der Anfangsphase eines solchen Projektes auch Kinderkrankheiten: Neulich im Testbetrieb hat mir der Kopierer einen Schein herausgegeben, der vorne ein 20- hinter aber ein 50-Euro-Schein war. Sie können sich vorstellen, mit welcher Seite ich bezahlt habe…“

Möglich wurde das Pilotprojekt durch eine in monatelanger Kleinarbeit vorbereitete Projektarbeit aus dem Fachbereich AWT. Fachbereichsleiter Tobias Schlette hatte in seinem Politik-Wirtschaftskurs das Thema „Die europäische Zentralbank im internationalen Zahlungsverkehr von morgen“ bearbeiten lassen, in dem es in einer Projektgruppe auch um die technische Bereitstellung von Bargeld  ging, als einer findigen Schülerin die naheliegende Idee kam: Warum denn nicht das Geld dahin bringen wo es gebraucht wird? Warum nicht vorhandene Infrastruktur nutzen und dadurch Produktions- und Transportkosten senken?

„Zuerst war es nur eine Art Scherz, aber daraus erwächst ja manchmal auch etwas Sinnvolles“, gibt Schlette im Interview stolz zu Protokoll – aber es gab auch einige Widerstände zu überwinden. „Bei solch einem Projekt, das nur in enger Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, der Schulbehörde und der heimischen Bankenlandschaft durchgeführt werden kann, muss man schon hier und da Überzeugungsarbeit leisten. Das hat allerdings von allen Seiten hervorragend geklappt.“

Das Projekt wird übrigen bald erweitert. Bereits nach den Osterferien soll es neben den drei Kopierern im Verwaltungstrakt der IGS, die vorerst dem Lehrpersonal vorbehalten bleiben, ein weiteres Gerät mit der Geldfunktion geben. Dann wird direkt neben der Verkaufsstelle der Frühstücksmütter ein Münzkopierer aufgestellt werden, der den hungrigen Schülern beim Druck auf die „Cash-Taste“ das passende Kleingeld für Brötchen, Obstspieße und Getränke auszahlt.